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Cohousing: Wenn Wohnen nachhaltig und geteilt wird

Cohousing: Wenn Wohnen nachhaltig und geteilt wird

Am Anfang nannte man es Bofælleskaberi, was wörtlich so viel heißt wie „Wohnverband“: Ende der 60er Jahre entstanden in Dänemark kleine Wohneinheiten, die auf einem Wechselspiel von privaten und mit den Nachbarn geteilten öffentlichen Bereichen basierten. Das Cohousing-Phänomen steckte damals noch in den Kinderschuhen, aber aus den ersten wegweisenden skandinavischen Erfahrungen heraus entwickelte sich nach und nach eine Lebensform, die derzeit auch in Italien immer beliebter wird. Entsprechend steigt die Anzahl an Familien und jungen Leute, die auf die Formel des gemeinsamen Wohnens setzen. Was bedeutet jedoch eine Entscheidung für das Cohousing und was sind die Vorteile des gemeinsamen Wohnens? Lassen Sie uns dieses Phänomen anhand von in Turin, Mailand und Bologna entstandener Projekte etwas ausführlicher betrachten.

 

Cohousing: zwischen öffentlicher Dimension und Privatbereich

Das Cohousing basiert auf der Koexistenz von privaten Wohnmodulen, die sich in einen durch großzügige Gemeinschaftsflächen und Bereiche für das Gemeinschaftsleben gekennzeichneten Kontext einfügen. Diese Art der Siedlung entsteht im Zeichen eines fließenden sozialen Miteinanders basierend auf öffentlichen Bereichen, in denen die kollektive und private Dimension keinen Gegensatz darstellen, sondern sich vielmehr auf funktionale Weise miteinander verflechten. Oftmals entsteht das gemeinsame Wohnprojekt im Rahmen einer Bewegung, die das Ziel hat, eine wahre Community zu bilden. In anderen Fällen sind es dagegen öffentliche oder private Einrichtungen, die das soziale Cohousing fördern. Dabei ist es allgemein üblich, dass man sich seine Nachbarn aussuchen kann, mit denen man in dieser gut funktionierende Anlage, bestehend aus geteiltem Raum und geteilten Serviceleistungen lebt: angefangen von der Waschküche über den Hort, Gemüsebeete, Sportbereiche, Saal für Feste und zur Prüfung des Co-Workings. 

Entwurfsbeteiligung und Kreiswirtschaft

Wer sich für Cohousing entscheidet, ist Teil eines personalisierten Wohnmodells, das sich einerseits durch eine ausgeprägte „grüne“ Ausrichtung und andererseits durch wirtschaftliche Nachhaltigkeit auszeichnet. Zur Gewährleistung dieser Eigenschaften sehen die gemeinsamen Wohnprojekte in allen Bauphasen die direkte Einbeziehung der Cohouser vor: Tatsächlich arbeitet der Planer in engem Kontakt mit den zukünftigen Bewohnern zusammen, die die Möglichkeit haben, Areale und Serviceleistungen gemäß spezifischer Anforderungen mitzugestalten. Darüber hinaus besteht ein an die größenbedingten Einsparungen gebundener Vorteil: die Cohouser-Gemeinschaft repräsentiert eine wahre Kaufgruppe und erhält so besonders günstige Marktkonditionen. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum dieses Modell auch in Italien immer mehr Zuspruch findet.

Base Gaia: das erste eigenhändig umgesetzte Cohousing-Projekt in Mailand 

Das vom Architekturbüro Officina di Architettura e Urbanistica in Mailand entworfene Projekt Base Gaia ist das erste Beispiel für ein in Eigenregie entstandenes Cohousing. Tatsächlich wurde es auf Wunsch einer Gruppe von zehn Familien ins Leben gerufen, die eine Kooperative gebildet haben und die Umsetzung einem fachkundigen Team anvertraut haben. Ziel des Experiments war es, eine moderne und auf dem Konzept „Nachbarn auf Wunsch“ basierende Community zu bilden, das häufig dem Cohousing zugrunde liegt. Diese Formel verleiht der Gruppe die Möglichkeit, eine Reihe an Aktivitäten vorzusehen, die einerseits die Alltagsanforderungen erleichtern und andererseits auf die Sharing Economy und das sogenannte selbstproduzierte Welfare setzen. In diesem Zusammenhang ist auch die Entscheidung zu sehen, die letzte Etage der gemeinsamen Waschküche und das Erdgeschoss Serviceeinrichtungen wie Kinderbereich, Küche, Coworking-Bereich, Lager für gemeinsam getätigte Einkäufe und einem Gästehaus vorzubehalten. Das im Einklang mit den Grundsätzen der ökologischen Nachhaltigkeit errichtete Gebäude wurde unter Verwendung von Holz und Zement erbaut. 

 

Cascina Siè: Cohousing in einem Wäldchen nahe Turin

Das „grüne“ Cohousing-Projekt Cascina Siè in dem kleinen Ort Reaglie bei Turin liegt umgeben von neun Hektar Wald in einem Anwesen aus dem 19. Jh. Hier leben sechs Familien bestehend aus 11 Erwachsenen und 12 Kindern. Stärkepunkt der Einrichtung mit einem Mehrzweckraum, Spielbereichen, Holzofen und Lager ist der 40 m² große 
Gemüsegarten: Maßgeblich für die hiesigen Cohouser war die Idee, den großen, die Wohneinheiten einfassenden Park mit Obstbäumen, Weinreben und Bienenstöcken zu valorisieren. Ziel war es auch, eine private mit einer gemeinschaftlichen Dimension in einem Outdoor-Bereich verschmelzen zu lassen, der speziell für das gesellige Zusammensein gedacht und ausgestattet ist, um so eine Kontinuität von In- und Outdoor ganz ähnlich wie sie von der Firmenphilosophie von Corradi vorgesehen ist, zu schaffen.

Porto 15: ein Under-35-Cohousing mitten in Bologna

Auch in Bologna zählt man diverse Cohousing-Experimente: So entstand hier unter anderem Porto 15einer der ersten auf eine ausschließlich öffentliche Initiative zurückgehenden Komplexe in Italien. Die Einrichtung verfügt über 18 Wohnungen mit insgesamt 54 Schlafmöglichkeiten, die in einem im Besitz von Asp – Città di Bologna befindlichen Gebäude eingerichtet wurden und zu günstigen Mietpreisen an Bewohner im Alter von unter 35 Jahren vermietet werden. Die Wohnformel setzt auf Zusammenarbeit und Austausch unter den Cohousern. Tatsächlich verfügt das Gebäude in jeder Etage über Gemeinschaftsbereiche, während die große Eingangshalle im Erdgeschoss den Mittelpunkt von Gemeinschaftsaktivitäten bildet. Der Raum zwischen den zwei Eingängen in Via Don Minzoni und Via Del Porto, der allgemein für die Bevölkerung offen ist, fungiert dabei als eine Art Tor gegenüber der Kollektivität. 
 
Green Living, Sharing Economy und Balance von sozialem und Privatleben: Cohousing übertrifft das Wohnkonzept und lässt es mit all diesen Aspekten verschmelzen, indem ganze Gebäude oder Wohnkomplexe in immer familiärere und integrative Gegebenheiten verwandelt werden – ein Phänomen, von dem man in Zukunft noch viel hören wird. Wir sind jetzt schon neugierig, wie es sich weiterentwickeln wird, und Sie?

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